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Neun Grammys sprechen eine deutliche Sprache: “Dan Auerbach ist eine Klasse für sich”, bestätigt auch Dire Straits-Chef Mark Knopfler. Und tatsächlich ist der Songwriter/Producer aus Ohio eine regelrechte Ikone des Alternative Rock, der u.a. mit den Black Keys weit über die Genregrenzen hinaus große Bekanntheit genießt.

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1.) Herr Auerbach, inwiefern unterschied sich die Arbeit an ihrem neuen, zweiten Solo-Album „Waiting On A Song“ eigentlich von der Arbeit mit ihrer Stammband, den Black Keys?

(O-TON 1) „Wenn ich mit den Black Keys aufnehme, sind da nur Pat und ich. Wir schreiben die Songs üblicherweise zusammen im Studio. Bei diesem Album schrieb ich alle Songs vorher, in Songwriting-Sessions. Ich kam mit fertigen Stücken ins Studio. Zudem befand ich mich während der Aufnahmen in einer völlig anderen Geistesverfassung: Ich dachte einfach an gar nichts, schaltete mein Handy aus und verbrachte den ganzen Tag im Studio.“

2.) Seit 2010 wohnen und arbeiten Sie in Nashville, der Hauptstadt der „Country Music“. In einem Interview mit dem Musikmagazin Rolling Stone bezeichneten Sie Ihr neues Album als eine „Liebeserklärung an Nashville“. Wie hat die Stadt die Art und Weise geprägt, wie Sie Musik machen und -aufnehmen?

(O-TON 2) „Nashville ist voll mit unglaublich guten Musikern. Und es gibt dort eine große Musikindustrie, die diese Leute unterstützt. Das ist natürlich toll! Aber musikalisch ist vieles, was hier passiert, austauschbarer, radiotauglicher Pop. Die Musiker leben davon, auf Country-Platten zu spielen. Aber ich glaube, für sie ist es ein besonderer Anreiz, in mein Studio zu kommen und mit mir aufzunehmen. Es ist kreativer; und ich verlange diesen Typen viel ab.“

3.) Sie haben Ihre neuen Songs mit einigen Legenden der Musikszene Nashvilles aufgenommen: Dem 78jährigen Duane Eddy, Meister der „Twang-Gitarre“; Dave Roe, 22 Jahre lang Bassist in der Band von Johnny Cash. Aber auch Pat McLaughlin, Country-Sänger und -Songwriter. In welcher Form haben diese Musiker das Album beeinflusst?

ROBERT FINLEY

ROBERT FINLEY

(O-TON 3) „Sie haben das Album stark beeinflusst. Jeden morgen spielte ich ihnen ein kleines, „rauhes“ Demo eines Songs vor, und wir überlegten uns dann zusammen das Arrangement. So wie das „RCA Studio B“ (Anm. des Verfassers: Ein legendäres Studio in Nashville, in dem u.a. Hits von Country-Ikone Patsy Cline entstanden) seine „Hausband“, das „A-Team“ hatte, so sind diese Leute meine „Crew“ geworden, die ich anrufe, wenn ich Platten aufnehme.“ (Anm. d. Ver.: Mit dem Saxofonisten Leon Michels und Gitarrist Kenny Vaughan bspw. hat Auerbach schon auf Lana del Reys „Ultraviolence“ und Ray LaMontagnes „Supernova“ zusammengearbeitet, beide sind auch auf „Waiting On A Song“ zu hören.)

4.) An den Aufnahmen beteiligt waren auch Schlagzeuger Gene Chrisman und Pianist Bobby Wood; Mitglieder der legendären „Memphis Boys“, der Hausband des „American Sound Studio“ in Memphis, Tennessee. Hier wurden zwischen 1967 und 1972 über 100 Hits des amerikanischen Pop und Soul eingespielt. Was konnten die Beiden zu „Waiting On A Song“ beitragen?

(O-TON 4) „Seit jeher liebe ich Soulplatten – ich wuchs mit Aufnahmen von Motown oder Stax Records auf. Gene und Bobby bringen die echte Spielart des Soul in mein Studio. Die Beiden haben in den 50er und 60er Jahren in Memphis einige der coolsten Alben aller Zeiten aufgenommen. Aber sie spielten nicht nur auf Soul-Alben, sondern auch auf Top10-Pophits: „Son of a preacher man“ von Dusty Springfield; „Suspicious Minds“ und „In the ghetto“ von Elvis Presley; „Sweet Caroline“ von Neil Diamond. Gleichzeitig hatten sie aber auch Top10-Country-Erfolge. Die Beiden sind echt etwas ganz Besonderes.“

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5.) In Ihrem „Easy Eye-Studio“ haben Sie in den letzten Jahren vor allem Alben jüngerer Künstler und Künstlerinnen produziert: Lana del Rey, Valerie June, Ray LaMontagne. Inwiefern unterscheidet sich eigentlich die Arbeit mit jüngeren Musikern von der Arbeit mit den „alten Hasen“, die auf ihrem neuen Album zu hören sind?

(O-TON 5) „Ich habe das Gefühl, dass jüngere Künstler viel zu sehr nachdenken, anstatt Dinge einfach zu tun. Sie beschäftigen sich ständig mit ihrem Smartphone, mit Instagram; zerbrechen sich den Kopf über musikalische Schubladen. Darüber, in welche Kategorie oder „Playlist“ ihre Musik nun passen könnte. Die älteren Typen tun das alles nicht. Sie interessieren sich nur für den Song und wollen den so gut umsetzen, wie möglich. Sie denken nie über Äußerlichkeiten nach. Stell dir mal vor, wie befreiend das ist – wenn du einfach nur etwas richtig Gutes erschaffen willst und keinen Gedanken daran verschwendest, was in der Außenwelt passiert.“

6.) Mit den „Black Keys“ zitieren Sie aus der Geschichte des Blues und Blues-Rock. In ihren neuen Songs klingen Sixties-Pop, Lee Hazlewood, Phil Spector, Folk und Soul an. Egal was Sie anfassen: Die Liebe zur Musik der 50s, 60s und 70s ist unüberhörbar. Woher kommt das?

(O-TON 6) „Orchestrale Instrumente, Klavier, Tympani, Vibraphone, Celesta – all das verbunden mit einem Rock’n’Roll-Quartett, das ist einfach mein Favorit! Ich finde auch nicht, dass das altbacken klingt, solange du nicht bloß versuchst, „Retro“ zu sein. Und ich bin nicht nur „Retro“, rückwärtsgewandt! Meine Platten haben eine Menge klangliche Tiefen, große „Kickdrums“; der Sound ist sehr breit. Das ist ganz anders als bei einer alten Aufnahme. Aber ich benutze einfach gerne „klassische“ Instrumente.“

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