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Adia Victoria entwickelt sich aktuell zu einem neuen Bezugspunkt auf der musikalischen Landkarte. Ihr eigener Stil, gespickt mit punktuellem Aufschrei, leuchtet wie der große rote Punkt, der sagt: „Sie befinden sich hier“. Die in Nashville beheimatete  Künstlerin bewegt sich zwischen Rock, Afropunk und Country, ist jedoch fest im Blues verankert.

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Nach ihren künstlerischen Zielen gefragt, antwortet die Songwriterin/Vokalistin: „Ich möchte Ungesehenes beleuchten und Unausprechliches zur Sprache bringen“. Adia Victoria spricht die Wahrheit. „Ich versuche mich nicht in ein schmeichelndes Licht zu rücken. Dies ist weder die Pop-Version von Schönheit noch das strategisch positionierte Schön-Hässliche. Manchmal bin ich einfach nur hässlich. In manchen dieser Songs steckt ein richtige Göre, egoistisch, naiv und rachsüchtig. Die zarte Seite ist jedoch ebenso präsent, die möchte, dass sich die Hörer gesehen und verstanden fühlen.“

Der Rolling Stone nahm sie mit in seine Liste der „10 neue(n) KünsterInnen, die sie kennen sollten“ auf. The Village Voice bezeichnete sie als eine „unheimliche, faszinierende Songwriterin“, mit „schaudernden Gitarren-Riffs und Texten voll offenherziger Verachtung“. Die Vogue wiederum zählte sie zu den „5 Schönheiten, die sich dem rebellischen Ruf des Afropunks neigen“.

Keiner der Stimmen, die der früheren Balletttänzerin/Callcenter-Mitarbeiterin/Französisch-Studentin rieten klein anzufangen, fanden bei ihr Anklang. Aufgewachsen in Spartanburg, South Carolina, in einem strengen Haushalt, umgeben von protestantischen Siebenten-Tags-Adventisten, war sie Tag und Nacht mit dem Gefühl der Unvollständigkeit konfrontiert. Also folgte sie ihrer inneren Stimme, begab sich nach New York, Atlanta und schließlich nach Nashville (mit Zwischenstopps in Paris und Deutschland) und fand so zu ihrer eigenen, selbstbewussten Stimme, die der äußeren Welt standhält. „Ich schrieb dieses Album in Erinnerung an meine Zwanziger. Für viele Frauen sind das sehr zarte Jahre. Es tut weh. Du zerbrichst an der Liebe und am Leben, begehst viele Fehler und triffst auf viele Menschen, die es nicht gut mit dir meinen, weil sie deinen Wert noch nicht erkennen“, erklärt sie.

Die letzten Jahre verbrachte Adia Victoria damit, Songs zu schreiben, aufzunehmen, auf Tour zu gehen und zu performen, während sie sich in Gastronomie und Einzelhandel ihr Künstlerdasein finanzierte.

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Tagsüber ging sie ihren hippen und nicht-so-hippen Nebenjobs in Nashville nach. So hatte sie ausreichend Zeit, um Menschen zu beobachten und sich mental und emotional mit ihrer Kunst auseinanderzusetzen. Mit aller Vehemenz spricht sie in ihrer Musik den mentalen und emotionalen Zustand einer in den Südstaaten und unter der Armutsgrenze aufgewachsenen, jungen, schwarzen Frau an sowie die zahlreichen, negativen Implikationen dessen – frei von Heuchelei oder verschleiernder Rhetorik. Wie die Schreibe von Eudora Welty oder Tennessee Williams sind jedoch auch ihre Erzählungen in gotischer Südstaaten-Manier von tiefgreifendem Glück durchdrungen.

The Fader titelte kürzlich: „Gestatten, Adia Victoria – Dichterin der unheimlicheren Momente im Country“. Songs wie „Sea of Sand“ oder „Stuck in the South“, offenbaren einige ihrer ortsabhängigen Aha-Momente. Im Letzteren singt sie: „I don’t know nothin’ about Southern belles / But I can tell you something about Southern hell“. Doch Songs wie „Head Rot“ oder die erste Single „Dead Eyes“ bestätigen, worum es in dem Album tatsächlich geht. „Es geht ums Verlieben, um Verlust, um Verwirrung, um Wut, Liebe und darum, sich selbst zu lieben“, betont sie.

An der Seite des Produzenten Roger Moutenot (Yo La Tengo, Sleater Kinney) nahm Adia Victoria das Album in den Nashviller Haptown Studios auf. „Beyond the Bloodhounds“ präsentiert auf eindrucksvolle Art und Weise – mit Unterstützung einiger hochtalentierter Musiker wie Tiffany Minton (Schlagzeug), Alex Caress (Keyboard), Mason Hickman (Gitarre) und Jason Harris (Bass) – ihre einprägsamen Verse, vielseitigen Gitarren-Solos und unverwechselbare Stimme. „Dieses Studio ist das Herzstück der ‘Music City’, eine frühere Auto-Werkstatt ohne Fenster, dunkel und launisch, wie ein Gang durchs Unterbewusstsein“, erinnert sie sich.

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„Beyond the Bloodhounds“ ist ein Lebenswerk jugendlicher Selbstwahrnehmung und stiller Beobachtung, an dem Adia Victoria über drei Jahre lang arbeitete. Der Titel huldigt einer Zeile aus dem Harriet Jacobs-Roman „Narrative in the Life of a Slave Girl“.

Ihr Debütalbum ist eher ‘sowohl als auch’ als ‘entweder oder’. Es ist das komplexe Ergebnis ihrer fassgereiften Südstaaten-Wurzeln, die ergreifenden Erzählungen einer reisenden, bücherliebenden Frau, fernab des Status quo.

Publikationen wie American Songwriter, Rookie und NPR haben sie bereits auf dem Radar. Mit ihrer knapp 30-jährigen Lebenserfahrung spricht Adia Victoria fließend die Sprache ihrer Selbst und steht bereit, ihren wohlverdienten Platz in einer langen Reihe wahrer Künstler einzunehmen. Ihre Mutter warnte stets, sie sei zu sensibel, würde zu viel empfinden und dadurch von der Welt zermalmt werden. Adia wird dies bestätigen: „Ich fühle mich oft zerrissen, habe aber gelernt, dass diese intensiven Gefühle meine Arbeit unendlich bereichern. Das ist meine Berufung, mein Lebensunterhalt. Meine Kunst lebt von diesen Gefühlen und Erfahrungen. Ich tauche auf, erlebe und kehre dann zurück mit den Worten, oh Honey, genau so wars…“.

2016 wird ein großes Jahr mit ihrer bevorstehenden Album-Veröffentlichung sowie der großangelegten „Me & the Devil“-Tour durch die USA und Europa. Dort darf sich das Publikum auf eine Künstlerin gefasst machen, die sich selbst als eine ‘Veranda-Blues-Sumpfgebiet-Katzenfrau im heulenden Rausch des Vollmonds’ beschreibt. (Quelle und Fotos: Warner Music)